Walk waschen füttern Arten Eigenschaften nähen

Wollwalk Teil 1: Arten, Eigenschaften, Waschen, Füttern

Als ich vor vielen Jahren Walk zum ersten Mal vernäht habe, stand ich gefühlt vor einem Buch mit sieben Siegeln. Es war unglaublich aufregend, als ich das erste Mal einen teuren Walk zugeschnitten habe.
Mittlerweile vernähe ich Walk fast zu jeder Jahreszeit (außer im Hochsommer 🙂 ), weil ich die wunderbaren Eigenschaften einfach sehr mag. Wenn ihr damit auch starten möchtet oder noch mehr über Walk erfahren möchtet, solltet ihr noch ein paar Sachen über dieses wunderbare Material wissen. Denn Walk „braucht“ eine andere Verarbeitung als Jersey & Co.
Dieser Blogbeitrag ist der erste von drei Beiträgen. Nach dem dritten Beitrag seid ihr richtige Walkprofis. Ihr erfahrt Wichtiges rund um die Themen Zuschneiden, Füttern, Eigenschaften, Waschen, Pflegen und spezielle Walknähte.

Mein Wissen zu Walk habe ich mir in den letzten Jahren durch viel Recherche und Erfahrung angeeignet. Das möchte ich gerne mit euch teilen. Wie so oft gibt es natürlich auch zum Thema Walk verschiedene Meinungen. In dem Blog erzähle ich euch, wie nach meinem Wissen und meiner Erfahrung Walk am besten verarbeitet wird. Es wird bestimmt auch andere Möglichkeiten geben, die ebenso geeignet sind.

Welche Arten von Walk gibt es (Walk, Kuschelwalk, Merionfleece etc.) ?
Vielleicht habt ihr schon mal die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit Walk gehört: Walk, Wollwalk, Kuschelwalk, Merinofleece.

Wollwalk wird häufig auch synonym für Walk oder Walkloden verwendet. Grob gesagt handelt es sich letztendlich um gestrickte und nicht gewebte Ware. Dies führt dazu, dass der Walk leicht dehnbar ist und sich gut an den Körper anpasst. Die meisten Walkstoffe die ihr bei bekannten Stoffhändlern bestellen könnt, haben eine Gewicht von 380-430 g/m2.
Dieser Walk ist sehr robust. Je nach Händler und persönlichem Empfinden wird er von manchen Menschen als ein wenig kratzig empfunden. Etwas besser wird es mit der „Kuschellösung“. Bitte erwartet jedoch nicht, dass aus einem Walk ein Fleece wird 🙂
Für meine Kinder und mich kaufe ich meistens diesen Walk. Tipp: bei den meisten Stoffhändlern könnt ihr Muster bestellen. So bekommt ihr ein Gefühl dafür, wie weich er beim jeweiligen Händler ist.

Feinwalk/Kuschelwalk: Dann gibt es noch etwas weicheren Walk. Der wird häufig als Feinwalk oder Kuschelwalk bezeichnet. Meistest ist er etwas weicher, dafür auch etwas i.d.R. teuerer.

Merionofleece: Die dritte Kategorie ist das Merinofleece. Reines Merinofleece besteht auch aus 100% Wolle. Ihr könnt euch das Fleece ähnlich wie ein Frottee vorstellen. Durch ein Bürsten wird die Merinowolle so lange angeraut, bis sie so flauschig ist. Dafür ist Merinofleece auch nicht ganz so robust, wie Walk. Für ganz kleine Babys würde ich Merinofleece nehmen. Da sie noch nicht im Dreck spielen, ist die Robustheit noch nicht so wichtig.

Warum werden Walkstoffe so gerne für kuschelige Overalls und Jacken vernäht? Welche besonderen Eigenschaften hat eigentlich Walk?
Richtiger Wollwalk besteht aus 100% Schurwolle. Häufig findet ihr im Handel auch Wollgemische. Dann sind z.B. 10% oder mehr Kunstfasern mit dazu gemischt. Wenn ich Walk kaufe achte ich immer darauf, dass er zu 100% aus Schurwolle besteht. Auch achte ich darauf, dass der Walk mulesingfrei ist (dann wird bei den Schafen die Haut rund um den Schwanz nicht entfernt).

Eigenschaften von Walk
Reiner Walkstoff besteht aus 100% Schurwolle. Schurwolle hat einen hohen Anteil an natürlichem Wollfett. Durch das Wollfett ist Walk sehr robust gegenüber Schmutz und Wasser. Tatsächlich ist gut gepflegter Walk ziemlich wasserabweisend. Hättet ihr das gedacht? Reine Schurwolle hat selbstreinigende Eigenschaften! Wollwalk mag es gerne gelüftet zu werden. So werden Gerüche am besten entfernt. Auch nassen Schmutz am besten erst trocken werden lassen und dann mit einer soften Bürste leicht ausbürsten.
Walk braucht nur ganz selten gewaschen zu werden. Trotzdem kann es manchmal notwendig sein.

Wolle und und damit auch Walk nehmen hervorragend Wasserdampf auf. Damit ist auch Schweiß vom Schwitzen gemeint. Gleichzeitig stößt Wolle Wasserdampf auch ab (hydrophob). Deswegen ist Walk auch so schön regenabweisend. Macht einfach mal den Test mit etwas Wasser zu Hause 🙂 Durch die hydrophobe Eigenschaft wird Wolle gerne auch beim Sport als erste Schicht auf der Haut getragen.
Dann gibt es noch eine weitere Eigenschaft. Die winzigen Hohlkammern in Wollwalk. Deswegen hält Wollwalk auch so schön warm. Durch die verdichteten Fasern entstehen diese kleinen Hohlkammern. Diese speichern die Wärme vom Körper und halten Kälte von außen ab.


Wollwalk ist ganz einfach zu pflegen, wenn ihr ein paar Grundsätze beachtet.

Ob Walk vor dem Nähen und dem ersten Tragen gewaschen werden sollte, darüber scheiden sich die Geister. Ich persönlich würde meinen Kindern und mir keine ungewaschene Kleidung anziehen. Egal, ob der Stoff direkt im Kontakt mit der Haut kommt oder nicht. Auch keinen ungewaschenen Walk. Dazu kommt, dass Walk beim ersten Waschen manchmal etwas einlaufen kann. Wie schade wäre es, wenn das selbstgenähte gute Stück dann nach der ersten Wäsche zu klein geworden ist. Durch das Waschen wird Walk noch etwas robuster und dichter. Und es gibt noch einen Vorteil vom Waschen: mit dem richtigen Waschmittel und der richtige Pflege wird Walk sogar noch ein bisschen weicher. Gerade wenn ihr keinen Kuschelwalk nehmt, finde ich dies sehr angenehm.

Walk richtig waschen
Ich habe viele verschiedene Waschvarianten und Waschmittel ausprobiert. Wichtig ist, dass der Walk durch das Waschen seine rückfettenden Eigenschaften nicht verliert. Deswegen ist das Waschmittel sehr wichtig. Mein liebstes Waschmittel ist das Sonett Olivenwaschmittel für Wolle und Seide, 1l*. Hiermit wasche ich auch unsere Wolle-/Seidekleidung. Es ist 100% aus kontrolliertem, biologischen Anbau und riecht gut nach Lavendel. Ich wasche den Walk zuerst noch als Meterware.

Walk in der Waschmaschine waschen:

– Wollwaschprogramm bei 30 Grad
– Keine Schleudertouren
– Wollwaschmittel in der Dosierkugel in die Waschmaschine geben

Nach dem Waschen den Walk unbedingt (z.B. auf einen Wäscheständer) liegend trocknen lassen. Nicht hängen und nicht der direkten Sonne aussetzen.

Genauso wasche ich auch das fertige genähte Kleidungsstück, wenn wirklich mal eine Wäsche erforderlich sein sollte Danach könnt ihr theoretisch den Walk verarbeiten. Bevor ich den Walkstoff nach dem Waschen jedoch vernähe, erfolgt bei mir noch ein weiterer Schritt, die „Kuschellösung„. Dazu erfahrt ihr im nächsten Beitrag mehr.

Wollwalk füttern – ja oder nein?
Ob Walk gefüttert werden soll oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Das häufigste Argument gegen das Füttern ist, dass Walk dadurch seine positiven Eigenschaften verlieren würde. Ich kann dieses Argument nicht so richtig nachvollziehen. Jeder von uns trägt wahrscheinlich unter dem Walkkleidungsstück auch noch andere Kleidung. Daher liegt per se schon mindestens eine Kleidungsschicht zwischen uns und dem Wollwalk. Streng genommen trägt schon unsere erste Kleidungsschicht zu einer Störung des Feuchtigkeitsaustauschs statt. Möchte jemand zu 100% auf die positiven Eigenschaften nicht verzichten, müssten alle Schichten unter dem Walk auch aus Wolle sein, z.B. Wolle/Seide.

Aus den genannten Gründen kann ich die vehementen Gegner von „Walk nicht mit Jersey füttern“ nicht ganz nachvollziehen.

Das ähnlichste Material, das wohl am besten zu Walk passt, ist Wolle-/Seide. Es ist ebenso ein Naturstoff und hat ähnliche, selbstreinigende Eigenschaften wie Walk. Aber auch Hanfjersey ist z.B. eine Alternative.

Ich persönlich mag den Walk am liebsten ungefüttert. Auch weil meiner Meinung nach das Anziehen leichter geht, da Jersey von Innen oft „bremst“ beim Anziehen. Da wir immer noch etwas langes unter dem Overall oder der Jacke tragen, kann es auch nicht kratzen. Lediglich die Kapuze füttere ich mit Hanfjersey oder Jersey. Richtig schön für die Fütterung der Kapuze finde ich auch Musselin.

Walk füttern mit Musselin

Bei Babys vernähe ich noch ein kleines Stückchen Jersey am hinteren Halsbereich, da Babys ja noch keine Schals tragen. Wenn ihr doch das ganze Stück füttern möchtet, würde ich eher Musselin als Jersey nehmen, da Musselin beim Anziehen nicht so sehr „bremst“, wie Jersey.

Exkurs: Walk oder Softshell?
Da mich einige Fragen ereilt haben, ob ich Walk oder Softshell für geeignet halte, möchte ich euch einen kleinen Exkurs geben 🙂 Die Frage ist, „für was geeignet“? Deswegen lässt sich so einfach die Frage auch nicht beantworten. Ich fasse einfach mal die Vor- und Nachteile beider Materialien zusammen.
Walk hält unglaublich warm und ist sehr atmungsaktiv. Die Kinder können sich gut bewegen, weil er im Verhältnis zu Softschnell oder einem Schneeanzug recht dünn und flexibel ist. Walk ist robust und hält auch einen Regenschauer gut aus. Ein kurzes Herumtollen im Schnee hält der Walk ebenfalls wunderbar aus. Gleichzeitig ist Walk aber auch sehr winddurchlässig.
Im Gegensatz zu Walk, ist Softschnell windabweisend. Dafür schwitzen die Kinder aber auch wesentlicher schneller, weil Softshell nicht richtig atmungsaktiv ist. Gerade in der Kita, wenn wenig auf die Kleidung geachtet wird, ist Softshell etwas leichter zu pflegen, da er einfach in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Auch Softshell hält einen kurzen Regenschauer aus. Wenn es im Winter richtig kalt ist und die Kinder lange im Schnee sind, dann ist ein hochwertiger Schneeanzug für uns die richtige Wahl. Meiner Meinung nach halten Walk und Softshell hier dann nicht genug warm und sind zu wenig wasserdicht.
Mein ganz persönliches Fazit: wir haben immer Hosen und Jacken aus Walk. Die allermeiste Zeit reicht dies bei uns auch aus. Wenn es jedoch richtig stürmisch und nass/kalt ist, bin ich froh über einen angerauten Softshellanzug. Für einen richtig kalten Winter mit Schnee haben wir zusätzlich noch einen Schneeanzug.

Im nächsten Blogbeitrag erfahrt ihr welche Materialen ihr zum Zuschneiden und Vernähen benötigt. Und ich zeige ich meine „Kuschellösung“, wie ihr den Walk etwas weicher und noch robuster machen könnt.

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