Walk nähen pflegen Kuschellösung

Wollwalk Teil 2 – Kuschellösung, Pflegen, Schneiden & Co

Im ersten Blogbeitrag habt ihr ja schon einiges über Walk erfahren. Nachdem ich meinen Walk gewaschen habe, schneide ich ihn zu, lege mir alle wichtigen Materialen bereit. Ganz wichtig: bei mir darf die „Kuschellösung“ vor dem Vernähen nicht fehlen 🙂

Bevor ich den Walkstoff nach dem Waschen vernähe, erfolgt bei mir noch ein weiterer Schritt 🙂 Das „Einlegen“ in Wollwachs. Ich nenne es „Kuschellösung„. Dadurch wird der Walk noch ein bisschen kuscheliger und weicher. Gleichzeitig wird er auch noch wasserabweisender. Diesen Schritt könnt ihr machen, müsst es aber nicht. Je nach dem, wie viel Meter ich am Stück habe, lege ich den Walk entweder direkt nach dem Waschen ein. So spare ich eine Trocknung. Oder ich lasse ihn trocknen, schneide ihn dann zu und lege die zugeschnittenen Teile ein.
Für die Kuschellösung braucht ihr unbedingt reines Wollwachs. Ich habe die besten Erfahrungen mit dem Wollwachs von Mystic Moments* gemacht. Es riecht nahezu geruchsneutral, ist rein und hat ein super Preis-/Leistungsverhältnis.

Walk noch weicher und robuster machen:
Für die Kuschellösung braucht ihr folgende Zutaten:
– 1 TL Wollwachs
– 1 TL Spülmittel
– 500 ml kochendes Wasser
Diese Menge reicht für ca. einen Kinderoverall. Ist euer Kleidungsstück größer, einfach die Mengen verdoppeln.


Wollwachs, Spülmittel und kochendes Wasser zusammen in ein Gefäß geben und gut verrühren. Das Verrühren dauert ein bisschen. Wichtig ist, dass sich das Wollwachs vollständig aufgelöst hat (durch das Spülmittel kann sich das Wollwachs auflösen).
Dann braucht ihr eine große Schüssel oder die Badewanne (je nach dem wieviel Stoff ihr zum einlegen habt). Die Lösung in die Badwanne geben und noch etwas lauwarmes Wasser hinzugeben. WICHTIG: kein heißes Wasser. Das war nur zum Auflösen des Wollwachses wichtig und wäre zu heiß für den Stoff.
In diese Mischung könnt ihr dann euren Walkstoff für ca. 12 Stunden einlegen. Ab und zu mit der Hand durchmischen und schauen, dass alle Stellen mit Wasser bedeckt sind. Ich lasse ihn häufig über Nacht in der Badewanne. Danach den Walk leicht ausdrücken und flach zum Trocknen legen. WICHTIG: nicht noch mal ausspülen!
Je nach dem, wie viel lauwarmes Wasser ihr noch hinzugegeben habt, fühlt sich der Walk hinterher etwas fettig an. Das ist richtig so und wird im Laufe des Tragens weniger.

So habt ihr hinterher einen weicheren und richtig robusten Walk.

Je länger das Walkkleidungsstück getragen und beansprucht wird, desto weniger robust wird es auch wieder. Manchmal reicht auch Lüften nicht, sondern nur eine Wäsche. Dann könnt ihr wie zuvor beschrieben, den Walk wieder waschen und ggf. mit der Kuschellösung wieder robust machen.


Hier möchte ich meine Haltung gegen ein komplettes Füttern aus dem ersten Blogbeitrag noch mal aufgreifen.
Wird der Jersey dreckig, kann das Kleidungsstück trotzdem nur im Wollwaschprogramm bei 30 Grad gewaschen werden. Jersey braucht aber höhere Temperaturen, damit er richtig sauber wird (es hängt natürlich auch vom Verschmutzungsgrad ab). Das ist für mich ein weiteres Argument, warum ich lieber nur die Kapuze füttere.

Gefütterte Walkstücke mit „Kuschellösung“ behandeln:

Sobald ihr einen Teil des Walks gefüttert habt, könnt ihr nach dem jeweiligen Waschen den Walk nicht mehr komplett in der Kuschellösung einlegen. Jersey würde „speckig“ werden. Dies ist für mich ein weiterer Grund, Walk nicht zu füttern. Ist euer Walk oder ein kleiner Teil davon doch gefüttert, gibt es aber einen kleinen Trick:
Die Kuschellösung (verdünnt mit lauwarmem Wasser) in eine Pumpsprühflasche füllen und alle nicht gefütterten Stellen von außen und innen damit einsprühen. Das hilft auf jeden Fall ein bisschen, auch wenn es nicht nicht ganz so intensiv ist, wie das komplette Einlegen.

Wo kaufe ich den Walk?
Einige haben mir nach meinem ersten Blogbeitrag geschrieben und mich gefragt, wo ich meinen Walk kaufe. Das möchte ich hiermit nachholen 🙂 Ich kaufe bei verschiedenen Händlern meinen Walk. Je nach dem, welche Farbe ich auch gerade benötige. Häufig kaufe ich bei meinem Stoffhändler vor Ort. Online gefällt mir der Walk von Stoffe.de* gut. Ich empfinde ihn als sehr angenehm. Wer mag, kann sich vorab dort auch ein Muster bestellen.

Kann ich jedes Schnittmuster auch aus Walk nähen?
Nein, nicht jedes Schnittmuster ist für Walk geeignet. Bei Jacken ist es wichtig, dass insbesondere die Ärmel weit genug sind, damit ihr die Jacke auch gut anziehen könnt. Möchtet ihr eine Hose aus Walk nähen, sollte auch der Hosenschnitt entsprechend weit sein. Bei meinen Schnitten findet ihr in der jeweiligen Produktbeschreibung Hinweise, für welche Stoffe sich der Schnitt eignet. Wenn einer meiner Schnitte auch aus Walk genäht werden kann, findet ihr speziell dazu im eBook Passformhinweise für Walk. Die Pumphose Luften z.B. sieht richtig toll auch aus Walk aus. In Kürze gibt es hier im Blog noch ein Tutorial, wie ihr die Pumphose Luften am Bein auch mit einem Gummi statt mit Bündchen nähen könnt.

Womit den Walk schneiden?
Überwiegend schneide ich Walk mit meinem Rollschneider* zu. Da Walk recht dick ist, ist es wichtig, dass die Klinge möglichst scharf ist. Spätestens wenn der Walk beim schneiden stärkere „Fusseln“ mit sich zieht, ist die Klinge zu stumpf. An kleineren Ecken verwende ich lieber eine scharfe Stoffschere. Da die Schere vom Walk stumpf werden kann, habe ich eine eigene Schere für Walk, mit der ich dann keinen Jersey mehr zuschneide. Es muss nicht immer eine teure Stoffschere sein. In den Drogerien gibt es oft größere Haushaltsscheren mit denen sich Stoffe auch gut schneiden lassen.
Das tolle an Walk ist, dass er sich auch geschnitten nicht rollt.

Walk schneiden Blog Snyggli

Welche Nadel für Walk?
Walk lässt sich am besten mit Rundkopfnadeln (Ball-Point) verarbeiten. Da sie nicht so spitz sind, können sie den Walk auch nicht so schnell beschädigen. Durch den runden Kopf können sie gut durch den Walk gleiten. Theoretisch wären auch Universalnadeln denkbar. Diese sind aber etwas spitzer, könnten den Walk beschädigen und nutzen sich durch den Walk auch schnell ab. Ich habe die besten Erfahrungen mit diesen mittelstarken Jerseynadlen von Schmetz* gemacht. Habt zur Sicherheit gleich ein paar mehr parat. Denn auch sie können manchmal abbrechen.
Zusätzlich lohnt es sich 1 oder 2 Zwillingsnadeln* zu haben. Ich verwende dazu auch von Schmetz die Zwillingsnadel mit einer Kugelspitze. Mit einer Zwillingsnadel könnt ihr eine ganz spezielle Nahttechnik nach dem Zusammennähen verwenden. Dazu in meinem dritten Blogbeitrag mehr.

Klammern oder Stecknadeln?
Walk ist sehr dick und sobald zwei Lagen übereinander liegen wird es schwer sie mit einer Stecknadel zu fixieren. Ich verwende am liebesten diese Wonderclips*.

Welches Garn?
Wie für viele Nähprojekte eignet sich auch für Walk am besten ein hochwertiges Polyester-Garn.

Wie Markierungen auf Walk übertragen?
Um Markierungen auf Walk einzuzeichnen habe ich die beste Erfahrung mit Schneiderkreide gemacht. Wichtig ist, dass sie möglichst spitz ist. Die Schneiderkreide lässt sich hinterher ganz einfach wieder ausreiben. In den letzten Jahren bin ich ein richtiger Fan von diesem Stift mit Schhneiderkreide* geworden. Diesen benutze ich nicht nur für Walk, sondern auch für meine anderen Nähprojekte. Ich kann ihn gut in der Hand halten und er ist immer ein bisschen „spitz“.

Nun könnt ihr euren Walk zuschneiden, in die Kuschellösung einlegen und schon fast loslegen. Im nächsten Blogbeitrag zeige ich euch spezielle Nähte für Walk. Dazu erfahrt ihr noch Tricks und Wissenswerte für das Nähen mit Walk.

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